„No One Left“: Hinter den Kulissen mit Sanjay
Das Fest scheint wie jedes andere zu sein – Clowns, Luftballons, bemalte Gesichter und strahlende Lächeln. Es gibt Musik und Tanz. Es gibt Spiele und Aktivitäten. Es gibt Mütter und Kinder.
Dieser kleine Junge freut sich darauf, seine Mutter im Gefängnis zu besuchen. Clowns und Luftballons machten diesen Tag für ihn zu etwas ganz Besonderem.
Außerdem gibt es Wachleute mit Waffen. Echte Wachleute. Echte Waffen.
Dieses Festival, das auf den ersten Blick wie jedes andere wirkt, weist einen wesentlichen Unterschied auf: Es findet innerhalb der Mauern eines Frauengefängnisses statt.
Als die Sowjetunion zusammenbrach, geriet auch die Stabilität Moldawiens ins Wanken, was zu einem wirtschaftlichen Niedergang sowie zu steigender Arbeitslosigkeit und Kriminalität führte. Unter all dem litten die Kinder am meisten. Viele Kinder, manche noch im Kleinkindalter, wurden ausgesetzt. Sie mussten auf jede erdenkliche Weise ums Überleben kämpfen und lebten oft auf der Straße und schliefen in Gassen.
Kinder aus dem “Rainbow of Hope”-Kinderzentrum posieren nach den Dreharbeiten zu „A Closer Walk“ gemeinsam mit der Filmcrew.”
ADRA bietet diesen Kindern ein Zuhause voller Liebe und Geborgenheit sowie drei ausgewogene Mahlzeiten pro Tag. Doch für die unzähligen anderen Kinder, deren Mütter in Haft sind, reicht ein Zuhause nicht immer aus. Viele dieser Kleinen haben zwar Verwandte, die sich um sie kümmern, oder Freunde der Familie, die sie wie ihre eigenen Kinder aufnehmen, doch ohne die Liebe und Zuneigung einer Mutter aufzuwachsen, bedeutet einen schweren und einsamen Verlust der Kindheit.
Und so organisierte ADRA ein Fest, denn kein Kind sollte seine Mutter in einem tristen Besuchsraum umarmen müssen. Mit ein paar Wachleuten und einer Schar begeisterter Freiwilliger wurde aus dem Fest tatsächlich ein richtiges Fest – ein Fest voller Spaß und Spiele.
Es ist soweit. Den Bus beladen, die Musik anmachen.
Ein Clown leitet ein Spiel mit den Kindern, die ihre Mütter im Gefängnis besuchen gekommen sind.
Während das unglaublich eingängige Lied “Alouette gentille alouette” aus den Lautsprechern dröhnt, rennen die Kinder die Stufen des Busses hinunter und in die Arme ihrer Mütter. Es gibt Freudenschreie, schallendes Gelächter und Tränen, die vor lauter Glück fließen – einer Art von Glück, die man hinter Gittern mit der Zeit vergisst.
Sogar die Wachen lächeln.
Trotz der Mauern, der Gitterstäbe und der Waffen ist dieses Fest wirklich wie jedes andere auch. Es gibt Clowns, Luftballons und bemalte Gesichter, und überall verschränken sich kleine Finger mit großen, und man kann fast spüren, wie die Herzen dieser inhaftierten Frauen vor Freude überfließen – schon allein wegen des Lächelns, das den Hof erhellt.